Warum Fettbinder nicht beim Abnehmen helfen

Erfahren Sie in diesem Beitrag warum Fettbinder nicht beim Abnehmen helfen, aber dennoch sich solch großer Beliebtheit erfreuen. Wir zeigen auf was es mit dem Geschäft der Fettbinder auf sich hat.

Fettbinder sind beliebt unter den Abnehmprodukten. Jedes Jahr kommen mehrere neue Produkte auf den Markt, die bei ihrer Vorstellung als das neue Wundermittel gegen Übergewicht angepriesen werden. Dann werden klinische Studien und prominente Fürsprecher vorgezeigt und die Markteinführung mit einem großen Medienrummel innerhalb weniger Tage zum guten Geschäft für die Hersteller und Händler. Doch die Freude bleibt auf der Seite der Hersteller und Händler. Beim Kunden lösen Fettbinder nach einigen Wochen der Anwendung oftmals Enttäuschung und Verärgerung aus. Doch wie kann es trotz klinischer Studien, wissenschaftlich erwiesener Wirkung und Prominenten Fans dazu kommen?

Kurzeinführung – Was sind Fettbinder?

Als Fettbinder werden Produkte und Inhaltsstoffe bezeichnet, die während der Verdauung Fett an sich binden, die in der Folge nicht vom Körper aufgenommen, sondern unverdaut ausgeschieden werden. Durch das nicht aufgenommene Fett soll eine Reduzierung der Körpereigenen Fettreserven erfolgen. Mal davon abgesehen, dass es bei fettreicher Ernährung zu sehr unangenehmen Effekten wie dem sogenannten Fettstuhl und Stuhlinkontinenz kommen kann, erzielen Anwender oft nur eine geringe Wirkung oder gar keine nennenswerte Wirkung.

Warum sind Fettbinder so beliebt?

Doch warum erfreuen sich Fettbinder so großer Beliebtheit? Ein Grund dafür ist, dass Fettbinder wissenschaftlich nachweisbar wirken, was folgerichtig auch in der Bewerbung eines Produktes zum Tragen kommt. Ein Produkt, das wissenschaftlich nachweisbar Fett bindet und unverdaut ausscheidet: ein Kassenschlager.

Klinische Studien und spitzfindige Aussagen

Wie kann es also  sein, dass trotz klinischer Studien und wissenschaftlich erwiesener Wirksamkeit Fettbinder nicht wirken? Dazu macht es Sinn sich die Werbeaussagen ganz genau anzuschauen. Oftmals werden rechtlich zulässige Tatsachen beschrieben, die so formuliert werden, dass es dem Leser nahegelegt, das Produkt würde Wirkung XY besitzen. Machen wir ein fiktives Beispiel: „Fettbinder XY ist darauf ausgerichtet dabei zu helfen die Fetteinnahme zu reduzieren. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die 1000-fache Menge seines Eigengewichtes an Fett gebunden werden kann. Dadurch können pro Tag bis zu x Kalorien eingespart werden. Medizinsche Fachkräfte loben die fortschrittliche Zusammensetzung zur Unterstützung von sicherem Gewichtsverlust.“

Was sich so liest wie das neue Wundermittel gegen Übergewicht ist im Grund nichtssagendes Blabla. Die wahre Aussage bezieht sich auf die Studie. Doch auch hier stellt sich die Frage ob das Ergebnis der Studie überhaupt die gewünschte Wirkung nach sich zieht. Wird überhaupt körpereigenes Fett verbrannt wenn die Fettaufnahme über die Nahrung reduziert wird? Diese Frage bleibt offen, ebenso die Frage wie viel Fett bei der Anwendung in der Praxis wirklich gebunden wird. Die Bindung der 1000-fachen Menge an Fett von 5 Milligramm Wirkstoff würde nur eine Einsparung von 5 Gramm Fett bewirken. So viel wie ein halber Eierlöffel Olivenöl. Sätze wie „Das Produkt ist darauf ausgerichtet dabei zu helfen…“, „Medizinische Fachkräfte loben die fortschrittliche Zusammensetzung…“ lassen den Leser glauben, dass der Fettbinder einen Gewichtsverlust verursachen wird. Da bei solchen Formulierung genau auf den Wortlaut geachtet wird, ist es praktisch nicht möglich die geplante Irreführung anzugreifen. Das geht auf Kosten gutgläubiger Leser.

Ausländische Unternehmen und Werbeaussagen durch Dritte

Eine beliebte Strategie ist der Einsatz von Affiliate-Marketing. Dabei erhält der sogenannte Affiliate eine Provision für jeden vermittelten Kunden. Dabei kann der Händler nicht für die Inhalte seiner Affiliates verantwortlich gemacht werden. Wenn also ein Blog oder eine Vergleichswebsite ein bestimmtes Produkt auf eine unzulässige Form bewirbt kann der Händler dafür nicht abgemahnt werden. Das erklärt auch die oftmals schier unzähligen überschwänglichen, positiven Erfahrungsberichte auf den ersten Ergebnisplätzen in Suchmaschinen: diese vermeintlich neutralen Websites spülen Ihren Betreibern jedes mal Geld in die Kasse, sobald ein Besucher zuerst diese Website besucht und erst danach den Kauf des Produktes tätigt. Warum sollte man an dieser Stelle also kritisch objektive Bewertungen veröffentlichen? Wäre doch schlecht fürs Geschäft. Also wird fleissig die nächste Wunderpille in den Himmel gelobt.

Keine Wirkung trotz Werbung mit Superstars

Abschliessend müssen wir einräumen, dass es uns auch völlig rätselhaft ist, wie Superstars teilweise als Fürsprecher von Produkten einstehen, die wenige Wochen nach Markteinführung als Abzocke verschrien sind. Spätestens wenn das Stimmungsbild in den Amazon-Kundenrezensionen und in einschlägigen Foren umkippt sollten diese Superstars doch berechtigtes Interesse daran haben nicht weiter mit dem Produkt in Verbindung gebracht zu werden. Diese Form der Werbung wird sich der Promi, nach unserer Einschätzung, in der Regel fürstlich bezahlen lassen. Scheinbar lohnt sich das Geschäft für die Hersteller dennoch.

Warum Fettbinder nicht beim Abnehmen helfen

Warum helfen also Fettbinder nicht beim Abnehmen? Die Antwort ist einfach:

Fett macht nicht fett!

Die Hypothese, dass Fett in der Ernährung zu Übergewicht führt und im Umkehrschluss eine Fettreduktion zu Gewichtsabnahme führt, ist umstritten. Eine der verbreitetsten Thesen besagt, dass Übergewicht durch Kohlenhydrate und Zucker bewirkt wird. Die Argumentation ist schlüssig: Kohlenhydrate (die im Grunde einfach aus Zucker bestehen) und Zucker enthalten sehr viel Energie und können vom Körper sehr schnell in Blutzucker umgewandelt werden. Das gilt besonders für Kohlenhydrate und Zucker in flüssiger Form. Ein hoher Blutzuckerspiegel ist giftig, weswegen Insulin ausgeschüttet wird, welches den Zucker aus dem Blut abtransportiert, an Stellen wo er gebraucht wird. Diese Energie wird beispielsweise in den Muskeln und in der Leber benötigt. Doch die Speicherkapazitäten sind dort auf insgesamt ca. 200 – 350 Gramm beschränkt. Diese Speicher sind in der Regel jedoch nur nach intensiver körperlichen Anstrengung leer. Sobald diese Speicher keinen weiteren Blutzucker mehr aufnehmen können bleiben nur noch die praktisch unbegrenzten Aufnahmefähigkeiten der Fettzellen übrig. Doch damit nicht genug: nachdem also der Blutzuckerspiegel gesenkt werden konnte und die Fettzellen etwas gewachsen sind setzt bereits nach relativ kurzer Zeit wieder ein Hungergefühl ein. Diese Unterzuckerung kann dazu führen, dass einem das Gefühl extremen Heisshungers überkommt. Wenn die nun folgende Mahlzeit wieder sehr kohlenhydrat- und zuckerreich ausfällt, geht das Spiel von vorne los.

Fette und Eiweiße hingegen sind zum einen, im Gegensatz zu Kohlenhydraten und Zucker überlebensnotwendig (essentielle Fettsäuren und essentielle Proteine), zum anderen für den Körper weitaus komplizierter zu verarbeiten.